Sueddeutsche Zeitung Landkreis Starnberg
Dienstag, 19. Juni 2018

Zu „Grüne werben für Gautinger Gewerbegebiete“ in der SZ vom 14. Juni:

Die Größenangaben zu Gautings neuen Gewerbegebieten sind ein Verwirrspiel. Die Angaben wechseln, die neuesten stehen in der Broschüre der Verwaltung „Das Gautinger Jahr 2017 – Jahresbericht“. Hierin wird aufgeführt: „Unterbrunner Holz“ 60 Hektar plus „Unterbrunn/14“ sieben Hektar plus „Asklepios“ zehn Hektar plus „Handwerkerhof“ zwei Hektar – macht zusammen 79 Hektar. Es heißt weiter, dass man nur 20 + 10 + 2 Hektar – also 32 Hektar – bebauen wolle.
Hinter vorgehaltener Hand wird zugegeben, dass es dabei nicht bleiben wird. In den Gewerbegebieten wird sich eine Wachstumsdynamik entwickeln, die man nicht mehr anhalten kann. Man muss davon ausgehen, dass zum Schluss die gesamte Fläche bebaut sein wird. Eine solche Entwicklung kann man am Kraillinger Gewerbegebiet „KIM“ sehen: Seit Jahren frisst es sich weiter in den Bannwald. Dieser Tage wurde die nächste Erweiterung genehmigt. Gauting wird es genauso ergehen. Kraillings hohe Gewerbesteuereinnahmen werden gelobt. Dabei umfasst die KIM nur 13 Hektar. Das heißt, Gauting will ein sechsmal (!) so großes Gewerbegebiet einrichten – zusätzlich zu den Flächen, die es bereits hat.
Die Vorhersagen der Stadtplaner sind eindeutig: Wenn in der KIM heute 2100 Beschäftigte auf 13 Hektar arbeiten, dann werden es auf den 79 Hektar in Gauting mindestens einmal 10 000 Menschen sein. Nur darüber reden weder Verwaltung noch die Befürworter im Gemeinderat. Es wird totgeschwiegen, weil man sonst auch über die Folgen reden müsste: Die 10 000 Beschäftigten werden zum Teil in unserer Gegend wohnen wollen; viele haben Familie. Es wird zu einem erheblichen Anstieg der Grundstückspreise und der Mieten kommen, denn Leerstand haben wir hier nicht.
Die Gutverdienenden werden die weniger Gutverdienenden verdrängen. Die Befürworter tun so, als ob alle Beschäftigten über die Autobahn kommen und wieder wegfahren werden. Gauting habe nichts mit Wohnraum, Schulen und Straßen für sie zu tun. Andere Gemeinden sollen diese Menschen unterbringen und die Millionen dafür ausgeben, Gauting will die Gewerbesteuereinnahmen. Das ist ein Trugschluss. Dem Siedlungsdruck wird man sich nicht entziehen können. Der Verkehr auf Ammersee- und Bahnhofstraße wird massiv zunehmen und zum Dauerstau führen. Verwaltung und Gemeinderatsmehrheit unter Führung der CSU werden dann ganz überrascht tun. Man wird behaupten, dass man „leider, leider“ zu großen Straßenbauprojekte „gezwungen“ sei – in und um Gauting, auch mitten durch die umliegenden Wiesen, Felder und Wälder. Sie werden Millionen kosten. Statt erträumter Millionen werden wir eine zerstörte Umgebung haben. Eberhard Brucker, Gauting

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