Leserbrief – Selbst produzierte Notlage / Eberhard Brucker

Sueddeutsche Zeitung Landkreis Starnberg
Freitag, 16. Februar 2018

Zu „Gauting auf Sparkurs“ in der SZ vom 8. Februar:

„Gauting auf Sparkurs“ – Spart man? Die Gemeindeverwaltung hat sich vorgenommen: Umbau der Kreuzung am Kriegerdenkmal, Bau von Parkdecks auf dem S-Bahnfahrerparkplatz, Umbau Schwimmbad, neue Turnhalle, Ausbau Ammerseestraße, Umbau Rathaus, Erschließung neuer Gewerbegebiete… Von Großprojekten spricht die Kämmerin. Nur, wer sparen muss, der backt doch normalerweise kleinere Brötchen.

Die Kämmerin klagt über steigende Kosten. Das Schwimmbad soll halbwegs herausgerissen und neu gebaut werden. Die Kämmerin nennt so etwas „Sanierung“. Vor drei Monaten sollte es 6,7 Millionen Euro kosten, jetzt sind es schon 7,6 Millionen. Die vielen Großprojekte müssen von der Verwaltung abgearbeitet werden. Das Personal wird dafür laufend aufgestockt und zieht Personalkosten nach sich. Eigentlich keine Überraschung. Das Personal muss im Rathaus untergebracht werden. Auch keine Überraschung. Also wird das Rathaus für 300 000 Euro umgebaut. So zieht das eine das andere nach sich.

Die Kämmerin meint, dass Gauting neue Gewerbegebiete braucht – mit insgesamt 79 Hektar Grundfläche im Landschafts- und Wasserschutzgebiet. Sie sollen die Finanzen retten – bringen aber erst in vielen Jahren Gewerbesteuereinnahmen. Auf ihnen werden, wenn es dabei bleibt, einmal 10 000 Menschen arbeiten. Die wollen zur Arbeit kommen, tausende davon im Auto.

Die Kämmerin wird dann nicht nur die Millionen für die Erschließung der Gewerbegebiete, sondern auch gleich noch die Millionen für den Ausbau des Straßennetzes rund um Gauting aufbringen müssen. Und viele werden hier wohnen und auch ihre Kinder unterbringen wollen. Die Kämmerin wird für Kinderkrippen, Kindergärten und Schulausbau weitere Millionen auftreiben müssen. Ob sie schon daran gedacht hat?

In dramatische Worten wird eine Notlage beschrieben, die in Wahrheit aber nur eine von der Rathausverwaltung selber produzierte Finanznotlage ist, und droht angesichts dessen, auch gleich noch Vereinen und Bosco die Zuschüsse zu streichen, sollte der geplante massive Neubau an der Bahnhofstraße so nicht verwirklicht werden. Wie wäre es denn mit allem eine Nummer kleiner? Und wo steht eigentlich geschrieben, dass man alles auf einmal machen muss? Schon unsere Vorväter wussten: Auch Rom wurde nicht an einem Tag erbaut. Eberhard Brucker, Gauting

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